Bitcoins Geldpolitik - ein Balanceakt

Ein zentraler Aspekt der Bitcoin Blockchain bzw. des Wertversprechens Bitcoins als Währung ist das harte Limit der Geldmenge, die durch das Protokoll auf 21 Millionen Bitcoin begrenzt ist. Während diese Begrenzung Bitcoin als knappe Ressource konstatiert wirft sie Fragen zur langfristigen Sicherheit der Bitcoin Blockchain auf. Ethereum hingegen wurde hinsichtlich seiner Geldpolitik schon öfters kritisiert, da es keine Fixierung auf eine vordefinierte Geldmenge gibt, sondern ein flexibleres Design verfolgt wird, um die Sicherheit des Netzwerks sicherzustellen. Im Folgenden soll die Rolle der Geldpolitik für Blockchain-Netzwerke vorgestellt und Bitcoins Emissionsplan diskutiert werden.



Was bedeutet Geldpolitik für Blockchain-Netzwerke?


Der Begriff Geldpolitik wurde von Zentralbanken übernommen. Hier steuert die Geldpolitik, wie Staaten Leitzinsen und Geldmenge setzen, um wirtschaftliches Wachstum anzukurbeln, Beschäftigungsziele zu erreichen und Wechselkurse stabil zu halten, ohne zu hohe Inflationsraten.


Kryptowährungen haben kein Mandat auf Bruttoinlandsprodukt oder Beschäftigung, ihr Emissionsplan ist davon unabhängig. Hierdurch ist das Geldangebot auch immun gegen politischen Druck. Dennoch gibt es ein Mandat für die Geldpolitik: die maximale Sicherheit des Netzwerkes zu gewährleisten.


Was sichert Bitcoin und Ethereum?


Die Sicherheit beider Netzwerke basiert auf ökonomischen Anreizen. Ohne eine starke Ökonomie sind diese angreifbar. Die 51% Attacke ist z.B. einer der möglichen Angriffe, gegen die das Netzwerk geschützt werden muss. Dieser ermöglicht es Angreifern Transaktionen umzukehren und Kryptowährungen direkt aus dem Protokoll zu stehlen. Eine Attacke dieses Typs verlangt die Kontrolle von 51% des Kapitals bzw. der Hashrate, die das Netzwerk sichert. Im Fall von Proof-of-Work (PoW) Systemen ist das Kapital Hardware und Energie. Bei Proof-of-Stake Systemen (PoS) ist das Kapital die native Kryptowährung, z.B. ETH Coins. Gute Sicherheit für Blockchain-Netzwerke bedeutet die Kosten für einen Angriff stets höher zu halten als den Gegenwert, den diese sichern.


Miner (PoW) bzw. Staker (PoS) allokieren Kapital, um die Netzwerke zu sichern. Der Anreiz hierzu ist nicht altruistisch, sondern weil diese für ihren Service bezahlt werden. Es handelt sich um Profit-maximierende Unternehmen, die mit Mining bzw. Staking Geld verdienen wollen. Ihren Umsatz beziehen sie dabei aus zwei Quellen:

  • Block Rewards – sie erhalten alle neuen BTC und ETH Coins, die gemined werden

  • Transaktionsgebühren – sie erhalten Gebühren, die Nutzer für Transaktionen zahlen

Die Summe aus Block Rewards und Transaktionsgebühren ist der Gesamtumsatz für Miner bzw. Staker. Dieser Gesamtumsatz kann als Sicherheitsbudget für das jeweilige Netzwerk verstanden werden. Als Analogie können wir diese Netzwerke als Staaten sehen, die jährlich neues Geld in Umlauf bringen (Block Rewards) und Steuern von ökonomischen Transaktionen einnehmen (Transaktionsgebühren), um die nationale Sicherheit zu gewährleisten.


Aktuell werden Bitcoin und Ethereum größtenteils durch Block Rewards gesichert. Größtenteils bedeutet zu 95-99%. Für die Berechnung können wir On-Chain Daten aus Blockchain Explorern in Kombination mit dem aktuellen Marktpreis heranziehen. Webseiten, wie Coinmetrics stellen Tools für detaillierte Analysen bereit. Eine schnelle Übersicht bietet auch der Artikel „how to read on-chain data“. Demnach wurden durchschnittlich 15,2mn USD Block Rewards und 267k USD Transaktionsgebühren für die tägliche Sicherheit des Bitcoin Netzwerks an Miner gezahlt. Das tägliche Sicherheitsbudget für Ethereum im gleichen Zeitraum Betrug jeweils 2,5mn USD und 100k USD.


Der Miner Umsatz durch den Block Reward steigt und fällt mit dem jeweiligen Marktpreis von BTC und ETH. Während die Kosten der Miner generell in USD (oder anderen Fiat Währungen) fällig werden, sind Block Rewards Umsätze in ihrer nativen Kryptowährung bezeichnet. Der Preis für ETH und BTC ergibt sich wiederum durch die Nachfrage im Markt. Transaktionsgebühren verhalten sich anders. Eine Verdopplung des BTC oder ETH Preis führt nicht zu einer Verdopplung der Transaktionsgebühren. Diese steigen nur, wenn die Nachfrage nach Bitcoin oder Ethereum Transaktionen steigt – die Nachfrage nach Blockspace (Anzahl an Transaktionen, die in einen Block passen) und Krypto Asset selbst sind also zwei separate Dinge. Ethereum’s Emissionsplan und Strategie zur Netzwerksicherung kann hier nachgelesen werden.


Bitcoin‘s Geldpolitik – Emission und Netzwerksicherheit


Der Emissionsplan Bitcoins wurde durch Satoshi Nakamoto von Anfang an als ein Kernaspekt in das Design der Bitcoin Blockchain geschrieben. In der Bitcoin Blockchain wird im Schnitt jede 10 Minuten ein neuer Block gefunden und damit ein Block Reward über das Protokoll emittiert. Die Emission sieht eine harte Limitierung auf 21 Millionen und ein Emissionsplan, der sich alle vier Jahre in die Hälfte teilt, vor.

  • 2012: 25 BTC per Block

  • 2016: 12,5 BTC per Block wir sind hier

  • 2020: 6,5 BTC per Block

  • 2024: 3,1 BTC per Block

  • 2028: 1,7 BTC per Block

  • 2032: ,78 BTC per Block

  • Und so weiter bis wir bei 0 sind.

Das Mandat der Geldpolitik ist die Sicherung des Netzwerks. Bisher hat die „Verknappungs-Narrative“ der Bitcoin Blockchain für die Sicherheit des Netzwerkes überzeugend funktioniert. Wir befinden uns noch immer an einem frühen Zeitpunkt im Emissionsplan, wobei die Sicherheit des Netzwerkes durch einen großen Block Reward subventioniert wird. Der Block Reward Umsatz steigt mit der Nachfrage nach dem Krypto Asset BTC. Die Nachfrage nach BTC steigt mit der Verknappungs-Narrative. Und die Verknappungs-Narrative steigert sich durch die gesetzte Geldpolitik eines abnehmenden Block Rewards – eine sich selbst-verstärkende Schleife. Das ist Bitcoins große Stärke.


Aber es gibt ein Haken. Mit jeder Block Rewards Halbierung (Halvening) wird diese Stärke weniger für die Sicherheit des Netzwerks genutzt. Jedes Halvening halbiert auch das Sicherheitsbudget. Damit ist die Sicherheit immer weniger vom Preis des Krypto Assets BTC und immer mehr von der Nachfrage nach Blockspace, d.h. Transaktionsgebühren abhängig. Transaktionsgebühren belaufen sich allerdings nur auf rund 1% des Miner Umsatzes. D.h. nur ein enormer Anstieg der Transaktionsgebühren würde ein vergleichbares Sicherheitsbudget ermöglichen.


Kürzlich wurde ein wissenschaftlicher Bericht veröffentlicht, „A model for Bitcoin’s security and the declining block subsidy“, der diese Thematik intensiv diskutiert. Die langfristige Sicherheit der Bitcoin Blockchain ist also fraglich. Eine Option ist die Anpassung der Geldpolitik hin zu einer konstanten Inflation, d.h. die Überschreitung des harten Limits der magischen 21 Millionen Bitcoin. Ein solches kontroverses Vorhaben würde mit Sicherheit in einer weiteren Fork der Bitcoin Blockchain enden und die Verknappungs- und Unveränderlichkeits-Narrative des Krypto Assets schwächen. Andere vermuten, dass Transaktionsgebühren zur Sicherung des Netzwerks ausreichen werden. Ob es tatsächlich zu einem umfassenden Markt für Transaktionsgebühren kommt bleibt abzuwarten. Dies würde zwangsläufig auch hohe Transaktionsgebühren mit sich ziehen, die das Versprechen Bitcoins als electronic peer-to-peer Cash System zu fungieren untergraben. Gegebenenfalls können zukünftig Layer 2 Lösungen wie das Lightning Netzwerk diese Funktion einnehmen. Die Diskussion um die Geldpolitik zeigt jedenfalls auf, dass es sich grundlegend um soziale Kontrakte handelt, die Teilnehmer von Blockchain-Netzwerken eingehen.

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